Zeitreise(n) durch Bad Iburg

 

Johann Aegidius Rosemann genannt Klöntrup (1755 - 1830)
Jurist, Osnabrücker Dialektforscher, Dichter

Das von dem im Kirchspiel Glane aufgewachsenen Johann Aegidius Rosemann genannt Klöntrup herausgegebene Nachschlagewerk "Alphabetisches Handbuch der besonderen Rechte und Gewohnheiten des Hochstifts Osnabrücks" bot seinerzeit zahlreichen Juristen bis weit ins 19. Jahrhundert Orientierung.

Vorfahren

1. Großeltern
Der Großvater von Johann Aegidius Rosemann genannt Klöntrup war der am 25. Oktober 1686 in Glane geborene Johan Caspar Rosemann - dieser heiratete am 8. November 1708 in Glane Anna Juliana Middendorf.
Im Jahre 1709 ließen sich Caspar Rosemann und seine Ehefrau Anna Juliana petrifrei einschreiben und übernahmen die in Sentrup gelegene Markkötterstelle Nr. 37 Klöntrup (heute: Bielefelder Straße 64, Bad Iburg - Sentrup);
anschließend nahm Johan Caspar Rosemann als Nachnamen den Namen der Markkötterei Klöntrup an.

Das Ehepaar hatte vier Kinder, darunter auch die am 6. April 1716 in Glane getauften Zwillinge Johan Caspar und Everhard Georgius.
Weitere Kinder waren die am 24. August 1713 geborene Catharina Maria Klöntrup, welche am 17. November 1732 in Dissen Johan Didrich Kampmeyer heiratete und ein Geschwisterkind, welches am 9. September 1717 geboren wurde und im Folgejahr am 22. März 1718 verstarb.

Johan Caspar Rosemann verstarb im Dezember 1736 und wurde am 22. Dezember 1736 in Glane beerdigt - seine Ehefrau war bereits vier Jahre zuvor verstorben und wurde am 17. April 1732 in Glane beerdigt.

Lageplan des Hofes Klöntrup an der Straße von Glane nach Hilter

Lageplan des Hofes Klöntrup an der Straße von Glane nach Hilter
mitsamt den umliegenden ehem. Höfenamen sowie den ehemaligen
Hausnummern in Klammern (Obermeyer und Klöntrup gehörten zu Sentrup)
Kartengrundlage: Königl. Preuss. Landes-Aufnahme 1895. Herausgegeben 1897.

2. Eltern
Der Zwilling Johan Caspar Klöntrup, getauft am 6. April 1716 in Glane, verblieb auf der Markkötterei Klöntrup und war später Prokurator und Notar am Gogericht zu Iburg.
Er heiratete am 14. Oktober 1736 in Hilter die dort am 11. November 1715 getaufte Catharina Maria Wiemann, Tochter von Jürgen Heinrich Wiemann und Anna Margretha, geborene Lammers.
Das Ehepaar hatte zehn Kinder:
- Maria Catharina, getauft am 4. Oktober 1737,
- Johan Zacharias, getauft am 2. März 1739 unter den Augen des Taufpaten Johannes Zacharias Möser, Vater des am 14. Dezember 1720 geborenen Justus Möser - Johan Zacharias war 1783 Procurator in Essen und von ca. 1792 bis zu seinem Tod am 25. Juni 1797 Notar und Prokurator am Gogericht Iburg,
- Bernard Heinrich, getauft am 3. Mai 1741,
- Johan Wilhelm, getauft am 18. August 1743, eröffnete 1772 eine "Hirsch-Apotheke" im "Wedekämperschen Haus" in Iburg; er verstarb im Jahre 1828 an Schlagfluß (= Schlaganfall).
- Berenhard August Friedrich, getauft am 17. Mai 1746,
- Maria Margretha, getauft am 21. März 1748,
- Caspar Heinrich, getauft am 2. November 1750,
- Johann Juliana, getauft am 4. September 1752,
- Johann Cillis, getauft am 30. März 1754, der später unter dem Namen "Johann Aegidius Rosemann genannt Klöntrup" bekannt wurde,
- Maria Elisabeth, getauft am 26. Juli 1757.

Lebenslauf Johann Aegidius Rosemann genannt Klöntrup

Johann Aegidius Rosemann genannt Klöntrup, wurde Ende März 1754 in Glane geboren - der Taufeintrag bei der evangelischen Taufe am 30.03.1754 in Hilter a.T.W. lautete Johann Cillis Klöntrup; sein Pate war Johann Cillis Lammers (geb.: 12.08.1695, gest.: 14.03.1765) aus Hilter a.T.W..

Johann Aegidius besuchte bis 1774 das Ratsgymnasium in Osnabrück - in einer Widmung an einen Mitschüler von den "(...) sämtlichen Schülern der zwo obersten Classen in dem Osnabrückischen Rathsgymnasium" steht auf dem Titelblatt ebenfalls "Joh. Aegidius Klöntrup aus Glane".

Am 3. Mai 1775 wurde Johann Aegidius an der Georg-August-Universität Göttingen immatrikuliert - dort hörte er vorrangig juristische Vorlesungen, vernachlässigte dort aber auch nicht die "schöne Literatur". Während seiner Studienzeit war er Mitglied des "Göttinger Hainbundes", eine "(...) die Natur verehrende, zum Sturm und Drang tendierende literarische Gruppe (...)", die am 12. September 1772 gegründet wurde.
Ostern 1778 verließ Johann Aegidius nach bestandener Prüfung Göttingen.

Kurz nach dem Studium wurde er als Sekretär beim kaiserlichen Kammerherrn und Reichshofrat Philipp Maximilian Freiherr von Hammerstein zu Gesmold angestellt, um das dortige Archiv in Ordnung zu bringen.

Ab Herbst 1778 wirkte Klöntrup als Advokat (Rechtsanwalt) in Osnabrück und nahm dort auch seinen Wohnsitz.

1781 erschien Melle als sein Wohnsitz, doch zwei bei ihm im Auftrag der Deuerlichschen Buchhandlung aus Göttingen durchgeführte Pfändungen zeigen, dass es ihm wirtschaftlich nicht besonders gut ging - einmal wurden 15 Bücher gepfändet, das andere Mal gar 268 Bücher und 32 verschiedene Kleidungsstücke (NLA OS Rep 950 Mel Nr. 386).

Ein Jahr später wurde Quakenbrück als Wohnort erwähnt.

Von 1783 bis 1793 wohnte Klöntrup wieder in Osnabrück.

Ende des Jahres 1793 bis etwa 1797 war Johann Aegidius Klöntrup auf dem Gut Bruche in der Nähe von Eicken östlich von Melle als "Hochgräflicher Münster-Meinhövelscher Sekretär" des Erbmarschalls Georg Werner Freiherr von Münster zu Landegge tätig.

Am 13. Mai 1797 heiratete er in Badbergen die Witwe Marie Adelheid Berghof, geborene Hakmann, die Witwe seines Osnabrücker Freundes Eberhart Friedrich Berghof, die drei Kinder mit in die Ehe brachte, die Klöntrup als "Vorkinder" bezeichnete:
- Johanne ("Anna") Catharine, geboren am 7. März 1791 in Osnabrück, heiratete Friedrich Georg Meyer zum Vorwalde (geb.: 28.10.1790, gest.: 18.02.1867; Gut Wahlburg bei Osterkappeln) und verstarb am 22. Januar 1817 auf Gut Wahlburg,
- Friderike Margarethe, geboren am 8. Juli 1792 in Osnabrück, heiratete nach dem Tod ihrer Schwester deren verwitweten Ehemann Friedrich Georg Meyer zum Vorwalde (Wahlburg bei Osterkappeln); sie verstarb am 13. August 1825 auf Gut Wahlburg,
- Heinrich Christian, geboren am 18. Februar 1795, der im Juni 1815 in der Schlacht bei Waterloo verstarb.

Gemeinsam zogen sie neben den zwei Töchtern und dem Sohn seiner Ehefrau zwischen 1798 und 1807 noch drei gemeinsame Töchter und einen gemeinsamen Sohn auf:
- Imogene Amalia, geboren am 26. Juni 1798 in Osnabrück, war später längere Zeit Haushälterin bei dem Freiherrn von Grüter auf Haus Mark südlich von Tecklenburg und verstarb 1863,
- Timoleon Wilhelm, geboren am 24. Juni 1800 in Osnabrück, wanderte später nach Batavia (heute: Jakarta, Indonesien) aus.
- Thrano Juliane ("Juli") Ernestine, geboren am 19. Oktober 1803 in Osnabrück, heiratete nach dem Tod ihrer Stiefschwester Friderike Margarethe im September 1828 deren verwitweten Ehemann Friedrich Georg Meyer zum Vorwalde (Wahlburg bei Osterkappeln) in dritter Ehe; sie verstarb am 17. Februar 1843 in Ostercappeln,
- Sophie, geboren am 30. Januar 1807 in Osnabrück, lebte in den Jahren 1838/39 in Fuhlen (heute: Hessisch Oldendorf) und verstarb 1873 als Witwe des Postmeisters Friedrich Seippel in Spenge; deren Wohnhaus in der heutigen Langen Straße 49 in Spenge wurde 1865 erbaut (und nach einer Geldautomaten-Sprengung 2018 weitestgehend zerstört und daraufhin 2019 abgerissen).
Die Vornamen Imogene, Timoleon und Thrano bezeugen Klöntrups zeitweilige Neigung zur Antike.
Die beiden Stieftöchter Johanne Catharine und Friderike Margarethe und die Tochter Thrano Juliane Ernestine waren nacheinander mit Friedrich Georg Meyer zum Vorwalde verheiratet - mit allen Ehefrauen hatte er auch Kinder. Sein Vater Johann Friedrich Meyer hatte 1781 den Meyerhof, später "Gut Vorwalde" genannt, in Venne geerbt. Dort wurde auch Friedrich Georg Meyer zum Vorwalde geboren, der später das "Gut Wahlburg" nordwestlich von Schwagstorf bei Ostercappeln übernahm. Dieses Gut kaufte Friedrich Georg Meyer zum Vorwalde am 27. September 1818 für einen Kaufpreis von 12.000 Talern - am 26. Juli 1833 kaufte er ebenfalls das benachbarte adlig-freie "Gut Stricksburg" in der Bauerschaft Felsen-Schwagstorf. In beerbte sein aus seiner dritten Ehe mit Juliane Ernestine Klöntrup hervorgegangener, seit dem 6. Juli 1866 mit Sibylle Pauline Francine Storm van's Gravesande verheirateter Sohn Ernst Georg, der sich nach dem Gute Meyer zu Wahlburg nannte.

Zwischen 1798 und 1809 war Klöntrup wieder als Advokat in Osnabrück tätig; seine Stellung verlor er dann aber.

Im Jahre 1800 promovierte Klöntrup in Duisburg ("jur. utr. D." = Doktor beider Rechte).

1807 verstarb seine Ehefrau - seine Kinder wurden von Verwandten aufgezogen.

Nachdem Klöntrup sich 1811 in französischer Zeit ohne Erfolg um eine Stelle als Advokat im Arrondissement Osnabrück beworben hatte, wurde er Notar des Kantons Berge (heute: Berge, Grafeld, Anten, Dalvers, Börstel, Bippen, Hartlage, Ohrte, Ohrtermersch, Menslage, Renslage, Hahlen, Herbergen, Klein Mimmelage, Wierup, Andorf, Schandorf, Bottorf, Borg, Wasserhausen).
Vermutlich musste er seine Stellung aufgeben, da die französische Besatzung eine Verminderung der Advokatenstellen auf ein Drittel angeordnet hatte und er der Opposition gegen die französische Herrschaft angehörte.

Besitztümer des Markkötters Klöntrup in Sentrup, 1813 (rot umrandet)

Besitztümer des Markkötters Klöntrup in Sentrup, 1813 (rot umrandet);
nördlich der Hofstätte Eilers und südlich angrenzend an den "Amtsweg" von Iburg nach Hilter befindet
sich der Hof Klöntrup
Ausschnitt aus: Charte No. I. von der im Amte Iburg, Kirchspiels Glane, belegenen Sentruper Mark.
Vermessen im Jahre 1813 von Oberlandbaumeister [Georg Heinrich] Hollenberg
(NLA OS K Akz. 1/1999 Nr. 19 H)

Klöntrup wohnte ab ca. 1813 bis zu seinem Tode im ehemaligen Geburtshaus des 1504 geborenen norddeutschen Reformators Hermann Bonnus in Quakenbrück (heute: Goldstraße 9).

Klöntrups Lebensverhältnisse wurden immer ärmlicher und er verfiel dem Alkohol. Der spätere Amtsgerichtsrat Julius Sudendorf aus Hilten bei Neuenhaus, der seinerzeit als Knabe Klöntrup kannte und ihn auch manchmal nach Hause begleitet hatte, berichtete, dass Klöntrup täglich in die Badberger Meesmann'sche Apotheke (Eigentümer: Herrmann Heinrich Wessel Meesmann, heute: Hauptstraße 70) kam, " (...) wo sich auch andere Leute zu einem Trunke zusammenfanden. Diese bezahlten dann wohl für ihn; er setzte sich jedoch still in eine Ecke und las, und erst dann, wenn das Gespräch auf einen ihn interessierenden Gegenstand kam, nahm er daran Teil". In der Apotheke wurde er (auch) mit leichten Arbeiten beschäftigt.
Der Fußweg war 6 km lang, so dass Klöntrup wohl 1 1/2 Stunden unterwegs war.

Der aus Osnabrück stammende spätere Direktor der Seefahrtschule Bremen, Navigationsdirektor Friedrich August Arthur Breusing (geb.: 18.03.1818, gest.: 28.09.1892), der Klöntrup ebenfalls persönlich kannte, erzählte im Jahre 1890 auf der 15. Jahresversammlung des "Vereins für niederdeutsche Sprachforschung" dem Oberlehrer am Ratsgymnasium zu Osnabrück, Friedrich Runge, "(...) Klöntrup sei eine unstäte Natur gewesen. Wenn es ihm eine zeitlang gut gegangen sei und er sich etwas erübrigt habe, habe er sich so lange den Fesseln seines Amtes und überhaupt einer geregelten Thätigkeit entzogen, bis seine materielle Lage so drückend geworden sei, daß er um des täglichen Brotes willen wieder habe anfangen müssen zu arbeiten." Diese Lebensauffassung ermöglichten ihm für sein Niederdeutsch-Westphälisches Wörterbuch unendlich viel Material zu sammeln.

Johann Aegidius Rosemann genannt Klöntrup verstarb am Abend des 25. April 1830 nach einem Umtrunk in der Apotheke Meesmann in Badbergen auf dem Rückweg nach Quakenbrück in einem Teich beim Hof Plangemann an der Chaussee in der Bauerschaft Lechterke bei Badbergen; der Teich wurde später im Volksmund "Klöntrupkuhle" genannt.
Klöntrup wurde drei Tage später in Badbergen auf Kosten der Armenkasse beerdigt - in den Akten steht "gratis".
Im Niedersächsischen Landesarchiv, Abteilung Osnabrück, liegt ein Schriftstück zur "Untersuchung der Todesart des Dr. Klöntrup aus Quakenbrück" (NLA OS, Rep 350 Bers, Nr. 2670) vor.

Sein Werk

1. Gedichte

Von Johann Aegidius Klöntrup existiert ein 297 Seiten, davon 5 Seiten Register, umfassendes Heft unter dem Titel "Auch ein Manuscript für Freundinnen und Freunde von J. Ae. Klöntrup. Odi profanum vulgus [ich hasse das gemeine Volk]" - darin sind 100 Gedichte enthalten. Zumindest fünfzehn Gedichte daraus wurden in der Literaturzeitung "Göttinger Musenalmanach" abgedruckt.
Das Heft, welches einst in der Bibliothek des Osnabrücker Ratsgymnasiums aufbewahrt wurde, befindet sich heute im Niedersächsischen Landesarchiv, Abteilung Osnabrück (NLA OS Dep 58 d A LVIII).

Weitere Gedichte wurden in Mösers Intelligenzblatt "Wöchentliche Osnabrückische Anzeigen", im "Westphälischen Magazin zur Geographie, Historie und Statistik", in den "Westphälischen Beiträgen" und im "Leipziger Musen-Almanach" abgedruckt.

In der Veröffentlichung "Johann Ägidius Rosemann genannt Klöntrup, der Osnabrücker Jurist, Dichter und Sprachforscher" von Oberlehrer Friedrich Runge, veröffentlicht in den "Mittheilungen des Vereins für Geschichte und Landeskunde von Osnabrück ("Historischer Verein")", 23. Band 1898, Osnabrück 1899, finden sich in der 1. Beilage drei von Klöntrups Gedichten.

2. Juristische und sprachkundliche Ausarbeitungen

"Allgemeiner Litterarischer Anzeiger", Beilage zu No. XCIV., Leipzig, 15. Juni 1798

Quelle: "Allgemeiner Litterarischer Anzeiger", Beilage zu No. XCIV., Leipzig, 15. Juni 1798,
Seite 956
Eine weitere Ankündigung erfolgte bereits im "Intelligenzblatt der Allgem. Literatur-Zeitung",
Numero 16, 27.01.1798, datiert auf November 1797

Zudem erschienen zahlreiche weitere juristische Veröffentlichungen.

Posthume Ehrungen

Osnabrück benannte zwei Straßen westlich des Rosenplatzes nach Johann Aegidius Rosemann genannt Klöntrup: die "Rosemannstraße" und die "Klöntrupstraße"; ebenfalls in Melle befindet sich nördlich des Automuseums die "Klöntrupstraße".
In Quakenbrück existiert ein plattdeutscher Gesprächskreis unter dem Namen "Klönschnack bei Klöntrup".

 

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