Zeitreise(n) durch Bad Iburg

Kurhaus Bad Iburg

Von 1967 bis 2009 war das Kurhaus Bad Iburg Treffpunkt vieler Auswärtiger und Einheimischer, zahlreicher Kurgäste, Gäste und Iburger; es befand sich am Kurpark in Nachbarschaft des "Alten Forsthaus Freudenthal" unter der Anschrift Phillip-Sigismund-Allee 2a.

Bereits im Jahr 1936 beauftragte der spätere Iburger Ehrenbürger Robert Hülsemann den Iburger Architekten Wilhelm Schmalstieg (wohnhaft: Iburg Nr. 242) eine Bauzeichnung für ein Iburger Kurhaus zu erstellen. Das Kurhaus sollte für 125.000,- Reichsmark schlüsselfertig auf den früheren "Dütting'schen Wiesen" am Charlottensee gebaut werden. Vorgesehen waren im Erdgeschoss ein Kurcafé in einer Größe von ca. 200 m2 nebst einer vorgelagerten Seeterrasse, ein Restaurant im Innern mit einer "Tanzdiele" von etwa doppelter Größe sowie einen Lesezimmer. Im Obergeschoss waren Unterkünfte für vierzig Kurgäste sowie eine kleine Wandelhalle geplant, im Kellergeschoss sollten neben den Wirtschaftsräumen auch Baderäume gebaut werden.

Im Sommer 1960 wurde im Rat der Stadt Iburg der Grundsatzbeschluss gefasst ein Kurhaus zu erbauen.

Bei einem internen Wettbewerb im Sommer 1961 wurden vier Architekten in einem internen Wettbewerb um Vorentwürfe für ein Kurzentrum gebeten worden. Ein Gutachter, der renomierte Detmolder Architekt Martin Mittag, hatte den Entwurf des münsterschen Architekten Hans Kusseler als besonders geeignet bezeichnet.

Nach dem Architektenwettbewerb beschloss am 16. November 1961 der Rat der Stadt Iburg in der Ratssitzung in der Gaststätte Haverkamp einstimmig bei einer Enthaltung ein Kurzentrum in einer Größe von 7.000 m3 und damit verbundenen Baukosten i.H.v. rund 700.000,- DM auf dem Forsthausgelände zu errichten und den Planungsauftrag an den Architekten Hans Kusseler zu vergeben. Geplant war ein zweistöckiger Flachbau des Kurhauses mit einem großen Konzertsaal und einem kleinen Saal, der unabhängig vom Konzertsaal oder auch mit diesem zusammen betrieben werden konnte, ein Café-Restaurant, Konferenzzimmer, Aufenthaltsräume, Leseräume, eine Toilettenanlage, Dachterrassen mit Blick auf den Schloßberg und eine Wohnung für den Pächter; in den beiden neuen Sälen sollten 1.000 Besucher Platz finden, darunter 540 Besucher im Kursaal. Im Keller wurde Platz für den späteren Einbau einer Kegelbahn vorgehalten. Auch die Künstlergarderoben befanden sich im Keller - von dort führte eine Wendeltreppe zur Bühne.
Ebenfalls wurde in den Kuranlagen ein Musikpavillon geplant - mit Nebenkosten für die Geländegestaltung und Nebenanlagen sollten die Gesamtkosten 1.000.000,- DM betragen.
Zudem sollte eine "Wandelhalle" das Kurhaus mit dem "Alten Forsthaus Freudenthal" verbinden.
Das Gelände wurde bereits 1958 zusammen mit dem Forsthaus Freudenthal gekauft - Bürgermeister Heinrich Schowe sagte damals: "Dieses Gelände ist wie kein anderes geeignet den Kurinteressen künftig zu dienen." Mit dieser Aussage sollte Altbürgermeister Schowe Recht behalten!
Der Architekt Hans Kusseler plante sogar noch weiter und projektierte einen zweiten Bauabschnitt, bei dem noch ein Kurheim und Sanatorium in unmittelbarer Nähe und mit dem Kurzentrum verbunden, vorgesehen war - dies war jedoch nie von der Stadt Iburg geplant.
Hans Kusseler verstarb am 17. April 1987 - er wurde auf dem Zentralfriedhof Münster beerdigt.

Ansichtszeichnung von Hans Kusseler
Ansichtszeichnung von Hans Kusseler: "Altes Forsthaus Freudenthal", Wandelhalle und Kurhaus (von links nach rechts)

Die Finanzierung war folgendermaßen geplant: eine "Interessengemeinschaft", die sich aus den Besitzern von Kurheimen gebildet hatte, verpflichtete sich einen Grundstock von 100.000,- DM als zinsloses Darlehen oder als Zahlung der Zinsen für ein von der Stadt in gleicher Höhe aufzunehmendes Darlehen aufzubringen. Aus Verkäufen - wie z.B. der alten Schule an der damaligen Rennbahn (heute: Charlottenburger Ring) sowie von Grundstücken am Urberg - wurden weitere 100.000,- DM erwartet, zudem sollte die Kurtaxe erhöht werden. Schließlich sollten Pachteinnahmen sowie die Einnahmen der Konzessionsabgabe des früheren Elektrizitätswerkes für die Baukosten mitverwandt werden.
Finanzielle Hilfe kam ebenfalls vom Wirtschaftsministerium des Landes Niedersachsen und vom Landkreis Osnabrück aus dem "Programm der dicken Brocken".

Auch die Versicherungsträger hatten dieses Projekt deutlich gefordert - eine Versicherungsanstalt schickte nur noch die Hälfte der bisherigen Patienten nach Iburg, weil in Iburg entsprechende Kureinrichtungen fehlten. Der Stadtdirektor Josef Hunke äußerte: "Wir haben bisher so gut wie nichts was heute nun einmal zu einem modernen Kurbetrieb gehört!" Und er merkte an, dass manche Tagung, manche Veranstaltung von Niveau sich nicht durchführen lässt, da dafür die Räumlichkeiten fehlen.

Zu dieser Zeit stellte Iburg 800 Fremdenbetten bereit, die vorwiegend von Kneipp-Kurgästen belegt wurden.

Die "Neue Tagespost" (NT) meldete am 25. November 1961: "Dies wird einmal ein neuer Stern im Iburger Baedeker".

Nach einem unerwarteten Baustopp war im August 1964 mit den Ausschachtungen und dem Anschluss an die Kanalisation Baubeginn, im April 1965 war das Kellergeschoss fertig gestellt und das erste Geschoss stand zur Hälfte; im Sommer 1965 wurde Richtfest gefeiert.
Gleichzeitig befand sich die gärtnerische Gestaltung durch den Osnabrücker Landschaftsarchitekten Heinz Nolte in Planung. Im Herbst 1965 war der Rohbau vollendet und die Innenarbeiten, die bereits begonnen hatten, konnten zu Ende geführt werden.

Neubau des Kurhauses   Neubau des Kurhauses
Neubau des Kurhauses

Gleichzeitig wurde das "Alte Forsthaus Freudenthal" renoviert und nachträglich angebaute Gebäudeteile abgerissen.

Das erste Konzert fand in der Wandelhalle am 12. April 1967 ab 15:30 Uhr statt. Es spielte das Iburger Kurorchester "Herbert Schermaul" mit Herbert Schermaul (Bandleader), Hans-Richard Scheiderer (Piano), Albert Grzonka (Geige, Saxophon, Klarinette), Hermann Becker (Schlagzeug, Cello, Gitarre) und Horst Buchweitz (Baß, Gesang, Schlagzeug). Die Musiker spielten bereits seit 1959 zusammen und waren vor ihrer Verpflichtung als Kurorchester in Bad Iburg - das Kurorchester erhielt dort einen Einjahresvertrag - in Bad Dürrheim (Schwarzwald) und zuvor sechs Jahre in Bad Salzdetfurth (Landkreis Hildesheim) verpflichtet gewesen. Das Kurorchester "Herbert Schermaul" spielte täglich (außer donnerstags) zwischen 10:30 Uhr und 11:30 Uhr, zwischen 15:30 Uhr und 17:30 Uhr sowie nochmals zwischen 19:30 Uhr und 21:30 Uhr.

Kurorchester "Herbert Schermaul"
Kurorchester "Herbert Schermaul" spielte in der Wandelhalle auf, 1967
aus: Osnabrücker Tageblatt vom 18. Mai 1967, Fotograf: Walter Fricke

In den 80ern spielten im Kurhaus die "New Combo" und die "Canyons" zum Tanz auf, um 1990 lud die "Swing Company" samstags zum Tanzabend und sonntags nachmittags zum Tanztee in das Kurhaus ein - ebenfalls spielte der Alleinunterhalter Heinz Turrek.
Auch das Medium Terzett (Helmut "Henry" Niekamp (
†), Wilfried Witte und Lothar Nitschke (†)) aus Osnabrück spielte häufiger im Kurhaus.

1967 gab es in Iburg schon über 1.000 Fremdenbetten. In der Einladung zur Einweihung des Kurhauses stand:
"Was dem Kurort zur staatlichen Anerkennung als Heilbad bisher noch fehlte, war der gesellschaftliche Mittelpunkt für unsere Kurgäste, der nun mit dem Bau des neuen Kurhauses und seiner Nebenanlagen (Altes Forsthaus, Wandelhalle, Kurgarten) geschaffen wurde." Und weiter: "Iburg wird bestrebt bleiben, seine Gäste kurgemäß zu betreuen, seine Kureinrichtungen zu pflegen und alles zu tun, dem ihm gewordenen gesundheitspolitischen Auftrag gerecht zu werden."

Die Einwohner Iburgs wurden gebeten vom 19. bis zum 21. Mai 1967 "... unsere Stadt für diese Tage besonders festlich und sauber zu gestalten und vor allem auch reichen Flaggenschmuck zu zeigen."

Am Freitag, den 19. Mai 1967 um 10:00 Uhr, war es soweit: der Festakt zur Einweihung des Kurhauses mit zahlreichen geladenen Gästen startete im "Großen Kursaal".
Zu Beginn spielte die Kurkapelle "Herbert Schermaul" die Ouvertüre "La clemenza di Tito" (kurz als "Titus" angekündigt) von Wolfgang Amadeus Mozart. Anschließend segneten der Iburger Dechant Alfons Dalsing (röm.-kath.) und der Iburger Pastor Christian Walter Schulze (ev.-luth.) mit Auszügen aus dem Sonnengesang des Franz von Assisi und dem Psalm 127 (Ein Wallfahrtslied. Von Salomo) das neue Kurhaus.

Dechant Dalsing (links) und Pastor Schulze (rechts) segneten das Kurhaus
Dechant Dalsing (links) und Pastor Schulze (rechts) segneten das Kurhaus

Im Anschluss wurde von Allen das Lied "Lobe den Herren, den mächtigen König der Ehren" (Joachim Neander, 1680) in der Ökumenischen Fassung gesungen.

Gäste im vollbesetzten Kurhaussaal während der Begrüßung durch Bürgermeister Schowe
Gäste im vollbesetzten Kurhaussaal während der Begrüßung durch Bürgermeister Schowe

Bürgermeister Heinrich Schowe begrüßte die über 500 Gäste und äußerte: "Wir haben gebaut ein stattlich Haus und damit die Basis für die weitere Aufwärtsentwicklung als Bad geschaffen!"
Anwesend waren u.a. die Bundestagsabgeordneten Heinz Franke (CDU), Ferdinand Erpenbeck (CDU) und Dr. Hans Ils (SPD) sowie die Landtagsabgeordneten Ernst Bulthaup (SPD), Walter Haas (SPD) und Karl Möller (CDU).

Architekt Hans Kusseler überreichte dem Bürgermeister Heinrich Schowe den symbolischen Schlüssel des Hauses - dieser reichte den Schlüssel an Stadtdirektor Josef Hunke weiter.

Bürgermeister Schowe (mittig) erhielt vom Architekten Hans Kusseler (rechts) den symbolischen Schlüssel
Bürgermeister Schowe (mittig) erhielt vom Architekten Hans Kusseler (rechts) den symbolischen Schlüssel
für das Kurhaus - Schowe gab diesen wenig später an Stadtdirektor Hunke (links) weiter

Die im Hintergrund sichtbare Büste Sebastian Kneipps war ein Geschenk des Kneipp-Bundes anlässlich der Anerkennung als Kneipp-Heilbad.
Ende Juni 2000 wurde die ca. 30 cm hohe Bronzebüste aus dem Eingangsbereich des Kurhauses entwendet.

Regierungspräsident Dr. Egon Friemann überbrachte die Grüße der an dieser Veranstaltung verhinderten Landesminister, die an einer kurzfristig angesetzten Kabinettssitzung teilnehmen mussten.
Anschließend überreichte er die offizielle Urkunde mit der staatlichen Anerkennung als Kneipp-Heilbad; mit dem Bau des Kurhauses und der Nebenanlagen wurden die Voraussetzung für ein Kneipp-Heilbad geschaffen.
In einem Gutachten äußerte der in Marburg arbeitende Prof. Dr. med. Wilhelm Pfannenstiel zuvor: "Der vor 13 Jahren durch Anerkennung als Kneipp-Kurort bestätigte Kurortcharakter hat durch rasche Entwicklung bereits begonnen, den eines Kneipp-Heilbades anzunehmen. Die Frage nach dem Anspruch auf die Artbezeichnung Kneipp-Heilbad kann bejaht werden, sobald sich das neue Kurhaus in Betrieb befindet."
Mit Erlass des Niedersächsischen Ministeriums des Innern vom 5. Oktober 1967 wurde der bisherige Name "Iburg" in "Bad Iburg" geändert.

Regierungspräsident Dr. Friemann (rechts) überreicht den Erlass über die staatliche Anerkennung   Erlass zur staatlichen Anerkennung als Kneipp-Heilbad vom 26. April 1967
Regierungspräsident Dr. Friemann (rechts) überreicht den Erlass über die staatliche Anerkennung
Iburgs als Kneipp-Heilbad an Bürgermeister Schowe (mittig) und Stadtdirektor Hunke (links)
  Erlass zur staatlichen Anerkennung als Kneipp-Heilbad vom 26. April 1967

Die Festansprache "Sebastian Kneipp, Symbol und Programm für ein gesundes Leben!" hielt Dr. med. Josef Kaiser uns Bad Wörishofen, Präsident des Kneipp-Bundes und 1. Vorsitzender des Kneippärztebundes. Er überreichte für den Kneipp-Bund eine Bibliothek als Geschenk an die Kurverwaltung.
Im Anschluss erhielt Stadtdirektor Josef Hunke in Anerkennung und Würdigung seiner hohen Verdienste aus den Händen von Präsident Dr. Kaiser sowie dem Verbandsdirektor Friedrich Wilhelm Kathol die goldene Ehrennadel des Kneipp-Bundes.

Josef Hunke erhielt die Goldene Ehrennadel des Kneipp-Bundes
Josef Hunke (links) wird vom Verbandsdirektor Kathol (mittig) im Beisein von
dem Präsidenten Dr. Kaiser (rechts) die goldene Ehrennadel des Kneipp-Bundes angehängt

Die Textbeiträge wurden sodann von der Kurkapelle "Herbert Schermaul" mit der Serenade F-Dur, Opus 3, Nr. 5 ("Serenadenquartett") von Joseph Haydn unterbrochen.

Es folgten die Grußworte der Gäste:
Landrat Josef Tegeler übermittelte die Glückwunsche des Kreistages und der Verwaltung des Landkreises Osnabrück - er überreichte ein von Künstlerhand geschmackvoll gestaltetes Gästebuch.
Der katholische Bischof Dr. Helmut Hermann Wittler und der Landessuperintendant Dr. Kurt Degener des Sprengels Osnabrück der Evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannovers schilderten Ereignisse aus der Bischofs-Geschichte Iburgs und zollten Lob und Anerkennung.
Weitere Grußworte folgten von Kurdirektor Gerhard Eckenberg (Bad Nenndorf) vom Deutschen Bäderverband, vom Ersten Direktor Dr. Josef Schirpenbach (LVA Westfalen) namens der Sozialversicherungsträger, vom Stadtdirektor Otto Johannsen (Schüttorf) als Vertreter des Städtebundes, von Kurdirektor Richard Gaßner (Bad Wörishofen) als Vertreter der Arbeitsgemeinschaft der Kneippkurorte und Kneippheilbäder, von Frau Dr. Elisabeth Bremer als Vertreterin der örtlichen Ärzteschaft und gleichzeitig im Namen der Kurheimbesitzer, vom Iburger Apotheker Jürgen Schlotheuber als Vertreter des örtlichen Kneippvereins, von Dipl.-Ing. Armin Kirchner von dem Osnabrück - Iburger Bauunternehmen Hermann Hake OHG als Vertreter der am Bau beteiligten 60 Bau- und Handwerksfirmen sowie vom Oberstudienrat Lorenz Heiny der Niedersächsischen Heimschule Iburg, der ein vielfältiges Bild über die wechselseitigen guten Beziehungen der Stadt Bad Iburg zur Niedersächsischen Heimschule zeichnete.
Von Dipl.-Ing. Kirchner erhielt Bad Iburg ein Ölgemälde des Kunstmalers Fritz Koch; auch der Gedenkstein für den Erbauer des Alten Forsthauses, Philipp Sigismund, stammte von den beteiligten Baufirmen.
Am Bau beteiligt waren:
- Erd-, Maurer-, Beton- und Putzarbeiten: H. Hake OHG, Osnabrück - Iburg,
- Stahlbetonarbeiten: A. Bücker + Co., Osnabrück - Melle,
- Stahlbau: A. Rawie, Osnabrück,
- Stahl- und Metallbauarbeiten: Heinz Schwarz, Osnabrück,
- Aluminium-Fenster und -Türen: M. Wallenhorst, Osnabrück,
- Fertig-Fenster und -Türen: W. A. Herget, Iburg,
- Dacharbeiten: Albert Schulte, Georgsmarienhütte,
- Heizung und Lüftung: Carl G. Bösling KG, Osnabrück,
- Fliesenarbeiten: Günter à Brassard KG, Osnabrück - Laer,
- PEGULAN-Teppichboden: Florentinus Wilhelm OHG, Osnabrück,
- Elektro-Installation und Bühnenbeleuchtung sowie Lieferung und Montage der Beleuchtungskörper: Elektro-Arbeitsgemeinschaft Elektro - Licht - Kraft Kuenen, Iburg, Elektro Ferdinand Herkenhoff, Mentrup-Hagen, Elektro Beckmann, Osnabrück,
- Innenausbau Kursaal: Keiser Innenausbau, Hasbergen,
- Maler- und Tapezierarbeiten: Hermann Hake, Osnabrück - Iburg,
- PVC-Fußbodenbeläge und Gardinen: Willi Frese, Iburg,
- Gardinen und Dekoration für Café, Restaurant u. Großen Saal: Textilhaus Heinrich Ostermöller, Iburg,
- Gardinen und Dekoration sonstige Räume: Heinrich Hannibal, Iburg,
- Harmonikatüren (Falttüren): F. Nüsing, Münster,
- Kühlanlagen und Gaststätten-Inneneinrichtung: Wilhelm Heermann, Osnabrück,
- landschaftsgärtnerische Anlagen und Plattierungsarbeiten: Hans Tegeler, Sutthausen.

Weitere offizielle Gratulanten waren:
Oberbürgermeister Wilhelm ("Willi") Kelch aus Osnabrück überbrachte ein Gemälde mit dem Osnabrücker Rathaus und den besten Wünschen, Oberstadtdirektor Joachim Fischer (Osnabrück) grüßte für den Fremdenverkehrsverband Westfalen, Bürgermeister Wilhelm Hölscher (Ostenfelde) überreichte Grüße für die Nachbargemeinden Iburgs.

Gratulanten und Redner
Gratulanten und Redner

In einem Schlusswort bedankte sich Stadtdirektor Josef Hunke und schilderte: "Wir sind nicht nur zufrieden, sondern auch stolz!"
Den Festakt beendeten Herbert Schermaul und Hans-Richard Scheiderer mit dem Pizzikato-Zwischenspiel "Pizzikanterie".

Im Anschluss konnten die neuen Räumlichkeiten des Kurhauses und die Nebenanlagen besichtigt werden - danach wurde für die geladenen Gäste ein kaltes Büfett vom Kurhaus angeboten.

Am Nachmittag bestand die Gelegenheit zur Besichtigung des Schlosses sowie der Kureinrichtungen Kneipp-Sanatorium Dr. Bremer, Kneipp-Sanatorium Geschwister Kassen, Kneipp-Sanatorium Sonnenhof, Mütterheim St. Anna sowie der Kneippkurheime Birkemeier und Fandrey.
Um 15:30 Uhr gab es in der Wandelhalle mit den "Schermäulern" ein Kurkonzert.

Am Abend folgte ein Festball in festlicher Kleidung.

Weitere Festveranstaltungen folgten in den folgenden zwei Tagen:
am Sonnabend gab es in der Wandelhalle ein Kur- und ein Kaffeekonzert, abends veranstaltete das Stadttheater Osnabrück im Großen Kursaal einen Bunten Abend.
Am Sonntag folgten wieder ein Kur- und ein Kaffeekonzert in der Wandelhalle, abends lud die Stadt zu einem öffentlichen Festball ins Kurhaus ein, der von einem Brillant-Feuerwerk im Kurgarten gekrönt wurde.

In der Neuen Tagespost (N.T.) vom 20. Mai 1967 veröffentlichte Hans Kusseler unter H. K. ein Gedicht zur Eröffnung des Iburger Kurhauses:

Es ist gar herrlich anzuschau'n

Umrahmt von einer Bergeskette
liegt Iburg, diese alte Stadt,
die außer Schloß und Festungsmauern
viel Schönes aufzuweisen hat:

Der Bennoturm, der alte Recke,
die Klostermühle mit dem Rad,
sie dienten einst sehr großem Zwecke,
sind heut' noch Wappen dieser Stadt.

Der Forstwald mit den hohen Buchen,
des Fredens selt'ne Blütenpracht,
was soll man Schöneres noch suchen?
Das zieht doch an mit großer Macht.

Der Dörenberg grüßt aus der Ferne,
es grüßt das alte würd'ge Schloß.
In Iburg weilt ein jeder gerne,
hier wird der Plag' und Sorgen los.

Den Kranken, die nach Iburg kommen
wird Linderung durch "Kneipp" gebracht.
Das soll besonders gut bekommen,
wenn Ärztekunst darüber wacht.

Drum baute man in schöner Lage
manch großes Sanatorium.
Befreit wird man von Schmerz und Plage
und allem, was noch drumherum.

Doch eines fehlte Iburgs Gästen:
ein Ort, wo man gemeinsam ist,
ein Ort, wo man bei Wein und Festen
des Tages Mühen schnell vergißt.

Ein Platz, wo man beim Kurkonzerte
vertrauten alten Weisen lauscht,
wo man vergißt des Lebens Härte
und sich durch Musica berauscht.

Nun ist auch dieser Wunsch erfüllet,
hell steht das Haus im Freudenthal.
Ein Kleinod hat sich hier enthüllet
und ladet ein zu Fest und Mahl.

Das Kurhaus, das man lange plante,
mit Park und Saal und Leseraum,
ward schöner, als man je es ahnte:
es ist gar herrlich anzuschaun.

Dank drum dem Rat und der Verwaltung:
Der Einsatz hat sich sehr gelohnt,
und auch den Meistern der Gestaltung,
ein guter Geist im Hause wohnt.

Auch laßt uns herzlich Danke sagen
dem Herrn für Segen und Gedeih'n.
Er mög' für ferneres Gelingen
des Himmels Gunst auch weiter leih'n.

Die Technik des Kurhauses entsprach dem neuesten Stand der Technik: mit der Sprechanlage konnten alle Text- und Musikbeiträge in sämtliche Räumlichkeiten übertragen werden. Alle Farben waren aufeinander abgestimmt: Sie sind rot in der Kellergarderobe, im Lesezimmer sowie bei den Sitzplätzen auf der Empore, blau im Kursaal und im Klubraum und grün im Konferenzraum.

Blick von der Bühne in den Großen Kursaal mit der Empore
Blick von der Bühne in den Großen Kursaal mit der Empore

In der Wandelhalle zwischen Kurhaus und "Altem Forsthaus Freudenthal" befand sich in der Mitte der Halle ein größerer Freiraum für einen Springbrunnen und für Blumenschmuck, ein Aufenthaltsraum und ein kleines Konferenzzimmer wurde im hinteren Teil der Wandelhalle mit Telefon eingerichtet; die Trennung wurde durch Glasscheiben vollzogen. Die südlichen Seitenteile der Wandelhalle bestanden ebenfalls aus Glas und gewährten einen Blick in den Kurgarten.

Blick in den westlichen Teil der Wandelhalle
Blick in den westlichen Teil der Wandelhalle

Der Musikpavillon wurde erst nach Eröffnung des Kurhauses erstellt; der Bau des Musikpavillons betrug rund 36.000,- DM - 25.000,- DM steuerte die Klosterkammer bei.

Musikpavillon im Kurgarten
Musikpavillon im Kurgarten
(Foto: Albert Grebing)

Am 6. September 1968 berichtete der Stadtdirektor Hunke in der Ratssitzung über die Kosten des Kurzentrum-Neubaus:
das Kurhaus hat an Baukosten 2.426.849,- DM und an Ausstattung und Einrichtungen 482.683,- DM gekostet, die Wandelhalle mit Einrichtungen hat 217.542,- DM erfordert, die Restaurierung des "Alten Forsthauses Freudenthal" einschließlich eines notwendigen Toilettenausbaus kostete 219.830,- DM und die Herrichtung des Kurgartens einschließlich der Zuwegungen und des Parkplatzbaus verschlang 543.760,- DM. Einen Beitrag von 329.232,- DM stellten ferner der Wert des eingebrachten Grundstücks und die Ausgaben für die Wege im Forstwald, Nebeneinrichtungen und den Parkplatz an der Holperdorper Straße dar. Dies ergibt eine Gesamtsumme von rund 4,2 Millionen DM.

Ansichtskarten mit Blick in das Kurhaus-Restaurant, Klein-Druck, Lengerich/Westf.   Ansichtskarten mit Blick in das Kurhaus-Restaurant, Klein-Druck, Lengerich/Westf.
Ansichtskarten mit Blick in das Kurhaus-Restaurant, Klein-Druck, Lengerich/Westf.

Das erste Pächterpaar des Kurhauses waren Irmtraud und Werner Schickentanz, doch wurde der Pachtvertrag im gegenseitigen Einvernehmen bereits zum 31. August 1967 wieder aufgelöst.

Auszug aus der 1. Speisekarte des Kurhauses, 1967
Auszug aus der 1. Speisekarte des Kurhauses, 1967

Zum 1. September 1967 wurde das Kurhaus zusammen mit dem "Alten Forsthaus Freudenthal" in den Eigenbetrieb "Kurgetriebe" integriert: erster Geschäftsführer war Anton Schmidt aus Hildesheim, später folgte Direktor Nikolaus Thamm.

Kurhaus mit "Altem Forsthaus Freudenthal"   Kurhaus mit Wandelhalle (links)
Kurhaus mit "Altem Forsthaus Freudenthal" (links) auf einer Ansichtskarte der Cramers Kunstanstalt KG, Dortmund,
gelaufen am 30.06.1968
  Kurhaus mit Wandelhalle (links) auf einer Ansichtskarte des Verlages Herbert Kl. Maschmeyer, Osnabrück,
um 1974

Zahlreiche internationale und nationale Ausstellungen, Tagungen und kulturelle Angebote folgten in den Folgejahren im Kurhaus:
die erste Tagung, eine Tagung des Bundesverbandes und des Präsidiums des Kneipp-Bundes, fand vom 18. bis zum 20. Mai 1967 statt.
Die erste Operettenaufführung erfolgte am 8. Oktober 1967 mit "Die Rose von Stambul", einer Operette in drei Akten von Leo Fall. Im Mai 1968 gastierte die Schwedin Zarah Leander im Iburger Kurhaus.

Der Opern-, Lied- und Operettensänger Rudolf Schock   Der Opern-, Lied- und Operettensänger Rudolf Schock
Der Opern-, Lied- und Operettensänger Rudolf Schock (geb.: 04.09.1915 in Duisburg, gest.: 13.11.1986 in Düren) im Dezember 1966
in Bad Iburg mit Liedern und Arien, begleitet am Flügel von Iván Eröd

 

Gewerbliche Anzeige zum Großen Silvester-Hausball im Kurhaus 1976/77
Gewerbliche Anzeige zum Großen Silvester-Hausball im Kurhaus 1976/77

Seit 1989 fanden hier die "Bad Iburger Gespräche", ein jährlich stattfindendes Symposium zu kommunalrechtlich und kommunalpolitisch interessanten Themen, statt. Auch Iburger Vereine nutzten das Kurhaus für ihre Veranstaltungen: so fanden die Veranstaltungen der Karnevalsgesellschaft "Roter Hahn Bad Iburg von 1935 e.V." von 1967 bis 2003 im Kurhaus statt.

Am 1. Januar 2000 ging der Eigenbetrieb "Kurbetriebe" mitsamt dem Kurhaus in die "Bad Iburger Grundstücks-, Erschließungs- und Besitzgesellschaft (BIGEB) GmbH & Co. KG" über.
Im Jahr 2005 wurde die BIGEB wieder in einen Eigenbetrieb der Stadt Bad Iburg umgewandelt.

Im Dezember 2000 beschloss der Stadtrat von Bad Iburg die Wirtschaftstätigkeit der städtischen Kurbetriebe aufzugeben sowie das "Alte Forsthaus Freudenthal" zu verpachten und die Wandelhalle abzureißen; im Januar 2001 wurde die Wandelhalle abgerissen.

Im nichtöffentlichen Teil der Ratssitzung am 25. Oktober 2001 beschloss der Rat den Abriss des Musikpavillons und bestätigte damit eine Entscheidung der BIGEB. In geheimer Abstimmung stimmten 17 Ratsmitglieder für den Abriss, vier Ratsmitglieder waren gegen einen Abriss und ein Ratsmitglied enthielt sich; der Abriss erfolgte Ende 2001.
Zum Kurhaus äußerte während der Ratssitzung der damalige Stadtdirektor Karl Schade: "Es ist undenkbar, dort [im Kurhaus] einen Bagger durchfahren zu lassen."

In einem Grundsatzbeschluss vom 22. März 2007 sah der Rat der Stadt Bad Iburg einen Abriss oder Teilabriss des Kurhauses, sofern ein schlüssiges Konzept für eine Neuorientierung bestünde, vor.

Mitte Oktober 2009 räumte nach einem Vergleich der bisherige Pächter Zabiollah Haidar das Kurhaus.

Am 3. November 2009 stimmte der Rat der Stadt Bad Iburg bei drei Gegenstimmen der Grünen für einen Abriss. Grund war der marode Zustand des Gebäudes mit zahlreichen Wasserschäden - eine Sanierung hätte rund vier Millionen Euro verschlungen. Zwei voneinander unabhängige Gutachter betrachteten das Kurhaus als "gebäudetechnisch abgängig". Kurzzeitig war bereits im 2005 vom Landkreis Osnabrück die Kurhaus-Küche stillgelegt worden.

Der Abriss erfolgte im Frühjahr 2010 durch die Lingener Firma Moß Abbruch-Erdbau-Recycling GmbH & Co KG.

Abrissarbeiten am Kurhaus, 21. März 2010
Abrissarbeiten am Kurhaus, 21. März 2010
(Foto: Horst Grebing)

An Stelle des Kurhauses war ursprünglich das "Dörenberg-Carrée" geplant: ein Ärztezentrum sowie eine moderne Veranstaltungshalle. Anfang 2007 war bereits diesbezüglich ein Architekten-Wettbewerb ausgelobt worden. Der 1. Preis mit einem Preisgeld von 35.000,- € ging an das Hilteraner Architekturbüro "Ahrens + Pörtner Architektengesellschaft mbH" - weitere Preisgelder i.H.v. 53.000,- € wurden vergeben.
Das Projekt wurde bislang nicht realisiert!

 

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