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Dörenberg

Am Südhang des 331 m hohen Dörenberges, der höchsten Erhebung des nordwestlichen Teutoburger Waldes, befinden sich nördlich der Kolbach-Quelle drei aufgelassene Sandstein-Brüche.

Charakteristisch für den hiesigen Osning-Sandstein sind Bänke mit einer rotbraunen oder rötlich geflammten Färbung sowie eines gelbbraunen, mit rotbraunen Schlieren versehenen Gesteins.
Der einstige Königliche Kreisbauinspektor Dr. Wilhelm Jänecke schrieb dazu: "Sie sind an der schönen bräunlichen Färbung, die von violetten eisenhaltigen Adern durchzogen sind, kenntlich ...".
Die makroskopischen Merkmale des Osnings-Sandsteins vom Typ Dörenberg fasste SPEETZEN 2010 wie folgt zusammen:

Farbe: graugelb, braun bis rotbraun, selten rot, stellenweise geflammt
Korngröße: feinsandig, z.T. mittelsandig
Textur: keine Schichtung erkennbar
Festigkeit: gut bis mäßig
Verwitterungsverhalten: Absanden, Abbröckeln, löcheriges Auswittern
Besondere Merkmale: Farbenvielfalt

Eine geochemische Analyse des Osning-Sandsteins, Typ Dörenberg, ergab nach SPEETZEN 2010 folgende Werte:

Siliciumdioxid (SiO2): 92,80 % Barium (Ba): 120 ppm
Titanoxid (TiO2): 0,235 % Chrom (Cr): 34 ppm
Aluminiumoxid (Al2O3): 3,13 % Blei (Pb): 15 ppm
Eisenoxid (Fe2O3): 1,20 % Strontium (Sr): 28 ppm
Manganoxid (MnO): 0,005 % Vanadium (V): 47 ppm
Magnesiumoxid (MgO): 0,07 % Zink (Zn): 19 ppm
Calciumoxid (CaO): 0,049 % Zirconium (Zr): 191 ppm
Natriumoxid (Na2O): 0,04 %    
Kaliumoxid (K2O): 0,661 %    
Glühverlust (LOl): 1,48 %    

Damit ist der anstehende Osning-Sandstein ein vorwiegend kieselig ausgebildeter Quarzsandstein.

Die Gesteinstechnischen Daten sind:

Dichte roh
(einschl. Porenräume):
2,16 g/cm3
Dichte rein
(ohne Hohlräume):
2,66 g/cm3
Druckfestigkeit: keine Angabe
Wasseraufnahme: 5,95 %
Porenraum: 18,50 %

Nach Ansicht von Otto SICKENBERG 1951 stellt der Osning-Sandstein "zweifellos einen der besten und wertvollsten Werksteine mittlerer Druckfestigkeit des nordwestdeutschen Gebietes dar."

Der Osning-Sandstein wurde wegen seiner leichteren Bearbeitung von den Bauarbeitern dem Karbonsandstein, anstehend auf dem Piesberg, vorgezogen und in Quader als Werkstein geschlagen genutzt. Da dieser Iburger Sandstein aber porös ist und leicht Wasser aufsaugt, stand dieser als Wegematerial hinter den festeren Kalksteinen zurück.
Andererseits hat dieser Sandstein auch an zahlreichen älteren Gebäuden ohne größere Schäden überdauert (SPEETZEN 2010), wie zum Beispiel am Nordturm des Osnabrücker Domes - bei Restaurierungsarbeiten im Jahre 2008 durch die Restaurierungswerkstätte Paetzke GmbH, Hörstel-Bevergern, brauchten die Wände nur gewaschen werden; bei Auswahl der richtigen Bänke ist dieser Osning-Sandstein daher als verwitterungsbeständig anzusehen.

Auszug aus der "Touristenkarte von Iburg und Umgegend"
aus dem Iburger Verlag A. Hankers, 1907
1 = Benno-Steinbruch
2 = Steinbruch der Forstverwaltung
3 = Koken-Sandsteinbruch

1. Benno-Steinbruch

Wer einmal das Schloss und Kloster Iburg näher betrachtet, dem fallen sofort die massiven Sandsteinmauern der Gebäude auf.
Bischof Benno II. von Osnabrück (geb.: um 1021 in einem kleinen Dorf bei Luninge (Löhningen, Hochrhein), gest.: 27.07.1088 in Iburg), der am 23.11.1068 zum Bischof von Osnabrück ernannt wurde, soll selber am Dörenberg nach einem geeigneten Steinbruch für den ab 1080 beginnenden Klosterbau gesucht haben; die Sandsteine wurden von den Mönchen selbst behauen.
Bischof Benno war ein enger Berater des römisch-deutschen Königs und Kaisers Heinrich IV. und Baumeister zahlreicher kirchlicher und weltlicher Bauwerke (Pfalzkapelle Aachen, Klosterkirche zu Corvey, Kaiserpfalz und Stiftskirche in Goslar, zahlreiche Burgenbauten im Harz, Mariendom zu Hildesheim, Kirche St. Maria im Kapitol in Köln, Dom zu Speyer und vieler anderer Bauten).

Es ist somit davon auszugehen, dass Bauwerke, die unter Bischof Benno, dem Architekten mittelalterlicher Bauten, erbaut oder im Auftrage des Iburger Klosters errichtet wurden, auf jeden Fall teilweise aus Sandsteinen aus dem "Benno-Steinbruch" erbaut wurden.

Sarkophag von Bischof Benno II. aus der Zeit um 1600
im nördlichen Langschiff der Klosterkirche
(fotografiert am 03.12.1942 von Hans Hasekamp, Georgsmarienhütte)

Aus diesem Steinbruch, dem sog. "Benno-Steinbruch", wurde neben den Bausteinen für Kloster und Schloss auch der Baustein für viele weitere Iburger und Osnabrücker Bauwerke gefördert:
so war der Baustein der um 1226 erbauten Iburger Fleckenskirche "St. Nikolaus", deren Außenmauerwerk zwischen 1908 und 1976 verputzt war, der Sandstein aus dem Benno-Bruch. Und die in der 1. Hälfte des 12. Jahrhunderts gegründete Nonnenklosteranlage "Gertrudenberg" in Osnabrück wurde ebenfalls in großen Teilen mit Sandsteinen aus vorgenanntem Steinbruch erbaut; erhalten geblieben ist nur die Klosterkirche "St. Gertrudis".

 
Fleckenskirche "St. Nikolaus", 2010
(Aufnahme: Albert Grebing, Bad Iburg)
  Klosterkirche "St. Gertrudis", April 2015

Nach Grabungsergebnissen soll auch der zweite Bau der Osnabrücker Marienkirche bennonisch sein - wahrscheinlich stammen Sandsteinquader des Turmes der Marktkirche von St. Marien aus dem Benno-Steinbruch; die unteren Etagen bildeten die Basis für einen späteren, im 13. Jahrhundert erweiterten viel höheren Turm.

Auch Sandsteine einiger Gebäudeteile des Osnabrücker Domes stammen nachweislich aus dem "Benno-Bruch": das Westwerk, die Vierungspfeiler im südlichen Querbau und der 1140 erbaute romanische Nordturm (auch: Nordwestturm genannt) des Osnabrücker Domes "St. Peter".

Postkarte, um 1920

Vom Nordturm stammen nur noch die rötlich gefärbten zehn unteren Reihen des Mauerwerks, die beim Wiederaufbau des Domes nach dem großen Dombrand im Jahre 1100 stehen geblieben sind, aus dem "Benno-Steinbruch".
Im 17. Jahrhundert wurden wieder Sandsteine für den Dombau aus Iburg bezogen - desgleichen auch in den Jahren 1667 bis 1673 für das Osnabrücker Schloss. Dessen Bauherr Fürstbischof Ernst August I. von Braunschweig-Lüneburg lebte von 1662 bis zu seiner Übersiedlung nach Osnabrück im Jahre 1673 mit seiner Gemahlin Sophie von der Pfalz im Schloss Iburg.
Weitere Sandsteine des Domes stammen aus Steinbrüchen aus dem Hochholz bei Oesede, Hüggel bei Hagen a.T.W., aus Melle, Lüstringen, Schinkel, dem Gertrudenberg und aus Ibbenbüren.

In einer Urkunde vom 23. April 1358, in der Hermann von Bar an den Glaner Pleban [Priester]Otto Korf eine Geldrente verkaufte, wurde von einer "domo lapidea", einem Steinhaus - höchstwahrscheinlich aus Sandstein - gesprochen.
Der Pleban Otto Korf war ein Bruder des 18. Iburger Abtes Johannes Korff, dem Otto auch das Amt des Priesters verdankt hatte.

Konrad III. von Diepholz, Osnabrücker Bischof von 1455 bis 1482, umgab den Flecken Iburg mit einer Sandstein-Mauer.

Die hochfürstliche Wassermühle in Sassenberg (Von-Galen-Straße 3) wurde 1578 mit Sandsteinen vom Dörenberg erbaut. Nach KAPLAN 2015 wurden die Blendarkaden des Nordturms und die Simse des Westwerks der Stiftskirche St. Bonifatius in Freckenhorst (südlich von Warendorf) in den Jahren 1859/60 aus dem hiesigen Osning-Sandstein erbaut.

1595/1596 ließ der Fürstbischof Philipp Sigismund von Braunschweig-Wolfenbüttel die Schlossmühle (Charlottenburger Ring 27) aus Sandsteinen des Dörenbergs erbauen.

Die Bausteine des Strebepfeilers der Kirche St. Johannis der Täufer in Glandorf (Osnabrücker Straße 2) entstammen dem Dörenberg.

In den "Annales monasterii St. Clementis in Iburg", den "Iburger Klosterannalen" des Abtes Maurus Rost aus dem Jahr 1681, finden sich zahlreiche Einträge, die wahrscheinlich auch in Bezug zum "Benno-Steinbruch" stehen.
Maurus Rost (geb.: 09.11.1633 in Münster, gest.: 10.04.1706 in Iburg) war, nach seiner Zeit als Pfarrer in Glane, von 1666 bis 1706 der 41. Abt des Iburger Klosters. Ihm unterstanden auch die Benediktinerinnen-Klöster Gertrudenberg, Herzebrock, Malgarten und Oesede; 1672 wurde Maurus Rost zum Sekretär der Bursfelder Klosterkongregation gewählt.

So schreibt Maurus Rost zum Flecken Iburg: "Auch Steine zum Bau der Häuser würden die benachbarten Berge gewähren, wenn der Geldbeutel der Bewohner einen solchen Aufwand gestattete."

Zu dieser Zeit waren bereits Gebäudeteile des Klosters aus Sandsteinen erbaut.
So wurde die Wand des Kreuzganges durch den Abt Ertwin von Dumstorp (1476 - 1493) aus behauenen Steinen erbaut.
Und 1574 wurde "die Mauer an unserm Kirchhofe nach Süden (...) nach Anordnung der Visitatoren zum Theil erhöht und mit gehauenen Steinen überdeckt." Vollständig vollendet wurde die Mauer im Jahre 1699.
Weitere Mauern aus "behauenen Steinen" befanden bzw. befinden sich am Binnenhof, am Umgang und vielen weiteren Stellen des Klosters. Auch die südliche Burgstützwand aus dem 11. Jahrhundert entstammt dem "Benno-Steinbruch".

In Theodor Liliens Fortsetzung der "Geschichte des Fürstenthums und Hochstifts Osnabrück", Erdwin Erdmanns Chronik, wird das Kloster als "ein herlich Huis van Stenen" (ein herrliches Haus aus Stein) bezeichnet.

Wahrscheinlich stammen aus den Iburger Sandsteinbrüchen auch die Grenzsteine, die ab 1667 die Grenzen des Klosters kennzeichneten: "In dieser Zeit unterzog man sich der Arbeit, unsere Ländereien im Iburger Felde zu revidiren und durch die nöthigen Grenzsteine zu bezeichnen, denn grobe Betrügereien, die man entdeckt hatte, machten eine Besichtigung der Ackerstücke und eine Feststellung und Bezeichnung der Grenzen nothwendig, wobei elf Ackerstücke, die sich in unsern Verzeichnissen nicht fanden, wieder an das Kloster kamen."
Diese Grenzsteine der Iburger Äbte zeigen den sog. Clemensanker gekreuzt mit einem Krummstab.

Aber auch in Osnabrück fand der Baustein Verwendung: "Am 30. August [1669] wurde auf unserm Hofe in Osnabrück [Auf dem neuen Graben Nr. 11, später Klubstraße 22] das neue Haus errichtet und in den folgenden Jahren, besonders 1677, der aus Steinen gebaute hintere Theil des Hauses vollendet."
Das Kloster Iburg erwarb den Hof im Jahre 1378 für 192 2/3 Mark von dem Osnabrücker Stadtgeschlecht v. Bersen.

Anlässlich des Klosterbaus in den Jahren 1750 bis 1755 wird im Anschluss an der von Maurus Rost verfassten sog. "Catalogus abbatum" folgendes berichtet : "Doch möge ein jeder aufhören sich zu wundern, der genauer die ganz besonderen Hilfsmittel für einen Bau betrachtet, welche in der Nähe von Iburg die Natur im Überfluß darbietet. Die hohen Berge daselbst gewähren uns reiche Steinbrüche, ...".
Und weiter: "So traf dieses ganze Jahr hindurch der hochwürdige Abt die Vorbereitungen, ließ Holz fällen und Steine brechen."
Der finanzielle Grundstock für das Bauvorhaben resultierte aus einem Vergleich mit der Witwe Beate Elisabeth von Voß, geborene von Korff (geb.: 10.03.1708, gest.: 14.12.1767), die zuvor mit Idel Jobst von Vincke, dem Besitzer von Gut Ostenwalde, verheiratet war und dem Kloster. Durch den Vergleich erhielt das Kloster 3.500 Thaler: "Es war aber besagte Summe Geldes die erste Grundlage, womit man anfing für den Neubau des Klosters Bau- und Kalksteine zu brechen, (...)".
1753 zogen sich die Bauarbeiten vom 09. April bis zum 13. November hin: "Den Grund dieser Verzögerung schiebe ich darauf, daß das Mauerwerk zu einem sehr großen Theile aus Quadersteinen besteht, deren Behauung Zeit und Mühe kostet." Und noch einmal wird deutlich, welche zwei Baumaterialien für den Bau benötigt wurden: "Im Jahre 1754, in welchem der Winter sehr früh begann und sich bis in die Frühlingszeit dieses Jahres hinzog, rüstete sich der hochwürdigste Abt, Steine zu brechen und Holz zu fällen, um das angefangene Werk fortzusetzen."
1755 kam es zu einem sehr strengen Wintereinbruch: "Die Strenge des Winters war aber unserm Bau, an den noch die letzte Hand gelegt werden mußte, sehr hinderlich, denn in der ganzen Winterzeit konnte man weder Steine brechen noch behauen, da der ganze Steinbruch mit Schnee bedeckt war. Endlich beseitigte das Höhersteigen der Sonne dieses Hinderniß, und in kurzer Zeit war es wieder möglich Hand anzulegen, so daß auf der einen Seite die Säge, auf der andern der Hammer erklang."

Noch im Jahre 1904 war der Steinbruch in Betrieb, denn der Iburger Apotheker Julius Schlotheuber schrieb an den Geologie-Studenten Karl Andrée:

  Die Steinbruchsarbeiter halte ich kräftig zum Sammeln

an. Bei trockenem Wetter sollen sie mir

die Versteinerungen zutragen, ich schicke sie

Ihnen dann umgehend nach Göttingen.

Zuletzt war ich mit Assessor Lamby und

Referendar Scheekl vor Weihnachten in dem

Dörenberg's Steinbruch. Unter dem hohen Schnee

konnten wir die Versteinerungen nicht beweisen.

Leider hatten die Arbeiter sie nicht in

die Schutzhütte gebracht.

Auszug des Briefes von Julius Schlotheuber an Karl Andrée,
geschrieben zwischen Januar 1904 und 08.02.1904
  Übertragung der Handschrift

1938 existierte nach SPEETZEN 2010 noch ein Steinbruchbetrieb.

links: Lageplan vom Dörenberg, Oktober 1950 (Zeichnung: G. Niemeyer, Iburg)
rechts: Blick vom Rott auf die Schlossmühle und den Dörenberg, 15.04.1940
(Aufnahme: Hans Hasekamp, Georgsmarienhütte)

1950 bis 1952 wurde die katholische St.-Josef-Kirche in Hilter (Amselweg 17) erbaut; den Eingang markiert ein Vorbau aus Sandstein.
Die Sandstein-Arbeiten wurden von dem Iburger Bildhauer Franz Broxtermann (geb.: 26.03.1903 in Kloster Oesede, gest.: 03.04.1985 in Iburg) ausgeführt (Fotos: Pfarrarchiv St. Josef, Hilter):
Ein umfangreiches Werkverzeichnis seiner Arbeiten finden Sie in den "Iburger Heften 12" von Joachim Vogelpohl unter dem Titel "Der Iburger Bildhauer Franz Broxtermann. Seine Arbeiten und Kunstwerke" (Bad Iburg 2013)!

Franz Broxtermann's Helfer im Steinbruch war des öfteren der Glaner Ludwig Buchholz (geb.: 09.05.1918, gest.: 16.02.2016).

   
Franz Broxtermann (rechts) bei Arbeiten im "Benno-Steinbruch"   Franz Broxtermann (links) bei Arbeiten im
"Benno-Steinbruch"
  Aufbau des Altarpodestes aus Sandstein
Das Altarpodest wurde 1982 durch ein Marmorpodest ersetzt.

Nachfolgende Aufnahme zeigt einen Ausschnitt aus dem "Benno-Steinbruch" im Jahre 1966:

"Benno-Steinbruch", 1966
(Aufnahme: Albert Grebing, Bad Iburg)

 

2. Steinbruch der Forstverwaltung

Der Steinbruch der Forstverwaltung war nur zeitweilig in Betrieb; der Sandstein wurde in nächster Umgebung für Straßen-Packlagen genutzt.

3. Koken-Sandsteinbruch

Südöstlich vom "Benno-Steinbruch" befindet sich der "Koken-Sandsteinbruch" des Hermann Koke aus Glane-Visbeck (Haus Nr. 14).

Koke gehörte auch die einstige Besitzung Hiltermann, Große Straße 126, in Iburg.
Vordem war es eine Ober-Försterei, wo die Oberförster Stelling und seit dem 01. April 1868 von Hugo amtierten. Später gelangte das Haus in den Besitz von Dr. Dütemeyer, Georgsmarienhütte.
Zuvor wohnte Hermann Koke in Osnabrück.

Der Iburger Arzt Dr. Alfred Lamby (geb. 15.11.1829 in Iburg, gest. 03.04.1900 in Iburg) schrieb eindrucksvoll zu diesem Steinbruch im Dezember 1865 in der Veröffentlichung "Soll die Strecke Münster - Osnabrück der projectierten Paris - Hamburger Eisenbahn über Iburg oder über Lengerich führen?":
"In den bedeutendsten der hiesigen Sandsteinbrüche, dem nahe an der Hagener Chaussee, eine halbe Stunde von hier gelegenen Koke'schen Steinbruche sind die Verhältnisse zur Gewinnung der Steine und namentlich großer Blöcke so ausgezeichnet günstig, wie man sie selten findet. (...) Die Steine, zum Teile gigantische Blöcke von 15 - 20 Fuß [1 Fuß = ca. 28 cm] Länge und ähnlicher Breite werden mit verhältnismäßig leichter Mühe, unter selten erforderlicher Anwendung von Sprengschüssen, aus ihren seitlichen Verbindungen gelöst und dann auf der abschüssigen unterliegenden Steinschicht zum Hinabrutschen gebracht. Solche Blöcke liefern enorme Ausbeute an großen Platten, Gesimsen, Säulen, Blöcken, Trögen, usw. Wegen der leichten und massenhaften Gewinnungsweise der Steinblöcke können diese Gegenstände so billig und reichlich geliefert werden, daß sie schon jetzt auf viele Meilen weit ringsum den Markt beherrschen. Die Abfälle von 1 bis 1½ bis 2 Fuß Kubikinhalt, die sonst als Kummer mit schweren Kosten aus dem Bruche zu entfernen waren und nur in nächster Nähe zu Bauten verwendet wurden, sind jetzt ein beliebtes Baumaterial, kosten pro Fuder im Steinbruche nur wenige Groschen, decken aber dennoch die bedeutenden Ausgaben für Kummerarbeiten. Sie gehen schon jetzt massenhaft bis Telgte, wie vorher bemerkt. Ihre Ausfuhr hat erst seit 8 bis 10 Jahren Bedeutung. Der hiesige Steinexport wächst in großen Dimensionen. Er ist in den letzten paar Jahren auf das Doppelte gestiegen, beträgt jetzt 900.000 Zentner [= 90.000 t] jährlich."

In dem "Gutachten über die Fossilien im Bereich der projektierten Sekundärbahn Hörstel - Lengerich - Hilter" des Kgl. Bergrathes Eduard von Renesse vom 07.06.1889 ist festgehalten: "Hilssandstseinbrüche des Franz Kordt und J. Kocke, benutzt für Chausseematerial und Bausteinen mit einer Jahres-Produktion von 100.000 Zentner [= 10.000 t]."

1820 wurden die Fenster- und Haustürgewände der ersten Ruller Volksschule (Klosterstraße 4, Wallenhorst-Rulle) durch den Maurer- und Steinmetzmeister Anton W. Schoof (Osnabrück) "aus behauenem Iburger Sandstein" erstellt.

Auch die Glandorfer Galeriewindmühle (An der Windmühle 7) wurde von dem Windmühlenbauer Brinkmann mit Sandsteinen aus Iburg erbaut. Ein Schreiben der "Königlich hannoverschen Landdrostei" vom 06. Dezember 1839 besagt: " (...) zu dem massiven Bau sollen von Iburg circa 150 Fuder Steine angeschafft und werden diese von den hiesigen Einwohnern unentgeldlich angefahren werden (...)."
Der Baubeginn erfolgte im Frühjahr 1840, die Fertigstellung erfolgte Anfang 1841.
1970 erwarb die Gemeinde Glandorf die Windmühle und ließ die Fassade verputzen.

Aus den Sandsteinen des "Koken-Sandsteinbruch" wurde im Jahre 1855 die Klause Pohlmann von Hermann Heinrich Pohlmann und seiner Ehefrau Maria Elisabeth, geb. Krützmannn, nachdem sie 1837 ihren Bauernhof an seiner heutigen Stelle neu erbaut hatten (Am Kreuzbrink 1), errichtet. Ostenfelder Landwirte übernahmen den Transport der Sandsteine und erhielten dafür als Gegenleistung die Zusage, dass die Kapelle mit ihrer Öffnung nach Ostenfelde weist, damit der bei der Prozession gespendete Segen auch Ostenfelde erreicht.

Der Gefängnisturm am ehem. Haus Bevern (Schulstraße 14) in Ostbevern, der lange Jahre als Archivturm diente, ist im 18. Jahrhundert mit Bausteinen aus dem Dörenberg errichtet worden (1. Stockwerk).

Die öffentlichen Straßen zu den Steinbrüchen wurden durch die Stein-Transporte erheblich in Mitleidenschaft gezogen. So machte am 18. Dezember 1855 das Amt Iburg der Osnabrücker Landdrostei den Vorschlag, die Hebegeldstelle für die Einnahme des Wegegeldes an einer solchen Stelle anzulegen, wo die Wagen aus den Steinbrüchen am Dörenberg die Straße benutzen wollen, "(...) indem es billig erscheint, diese Steinfuhren zur Bezahlung von Wegegeld heranzuziehen, da durch dieselbe die Straße erheblich abgenutzt wird." So sollte eine Erhebungsstelle in der Bauerschaft Mentrup [heute: Hagen a.T.W.] bei dem Wirt Meyer eingerichtet werden - diese erhob dort ab dem 11. April 1856 Wegegeld.

Briefumschlag aus dem Jahre 1874 an das Baubüro zwecks Submission auf Werksteine
für den Bau des Justiz-Gebäudes (heute: Landgericht) in Osnabrück
Baubeginn war 1875 - das Gebäude wurde schließlich aus Bentheimer Sandstein
erbaut und am 01. April 1878 in Benutzung genommen.

In den Jahren 1857 bis 1859 wurde die Johannes-der-Täufer-Kirche in Hilter a.T.W. (Am Kirchplatz 7) nach Plänen des Architekten Conrad Wilhelm Hase aus Werksteinen aus dem "Koken-Sandsteinbruch" erbaut; die Bauleitung hatte sein an der Polytechnischen Schule Hannover eingeschriebener 26jähriger Schüler und Architekt Georg Werner Narten aus Hannover.
Sollten ursprünglich nach dem Willen des Kirchenvorstandes Steine der alten Kirche (Hüls-Sandsteine sowie Laerer bzw. Rothenfelder Kalktuff) wieder verwendet werden, so machte ein Gutachten des Rothenfelder Salineninspektors Christian Ludwig Schwanecke diesen Wunsch zunichte, da die Bausteine stark unter dem Brand der Vorgänger-Kirche gelitten hatten und nicht mehr nutzbar seien. Der Kirchenvorstand und Architekt Hase einigten sich daraufhin, wenngleich erst noch die Verwendung eines Sandsteines aus dem Bietendorfer Berg (Wellingholzhausen) in Erwägung gezogen wurde, auf die Verwendung von Sandsteinen aus dem Dörenberg.

  Zur mindestbietenden Verdingung
der Anfuhr der Bau-Materialien zum
Neubau der Kirche zu Hilter, und zwar
1. von 25 Fuder Baustein vom Hüls nach Hilter,
2. von 12 Fuder bearbeiteter Bausteine aus den
Steinbrüchen des Kaufmanns Koke zu Iburg

nach Hilter
3. von etwa 2000 Cubicfuß [ca. 50 m3] Sandstein-
quader aus denselben Brüchen
nach Hilter
und zwar in der Zeit nach Beendigung
der Saatzeit zu beschaffen, ist Termin auf
Montag, den 10. Mai d. J.
Nachmittags 3 Uhr in dem Schulgebäude zu
Hilter angesetzt, und werden Bietelustige
eingeladen, zu diesem Termin zu er-
scheinen.
Iburg, am 27. April 1857.
Königlich Hannoversches Amt Dissen
Meyer
[F. Meyer]

Publicandum
in und vor der Kirche
1. 3. Mai
2. 10. Mai
zu Hilter

Die Publication ist vorschriftsmäßig
vollzogen worden. Dingersen
[Friedrich Wilhelm Leberecht Dingersen war Kantor (Lehrer u. Chorleiter)]

genehmigt
Wedekind
[Hermann Rudolf Wedekind war seit 1851 Pastor in Hilter]

Ausschreibung für den Bau der Kirche in Hilter vom 27. April 1857   Übertragung der Handschrift

Im Jahre 1868 wurde die alte Hagener Volksschule - die heutige Gemeindeverwaltung (Schulstraße 7) - mit Bruchsteinen aus dem "Koken-Sandsteinbruch" errichtet. Bei Umbauten in den Jahren 1995/1996 wurden die alten, nicht mehr zu habenden Sandsteine neu behauen und wieder, vornehmlich am Erker mit Türmchen über dem Haupteingang, verbaut.

In den Jahren 1865 bis 1876 wurden aus dem "Koken-Sandsteinbruch" das 5. Joch und der Turm der Probsteikirche St. Clemens in Telgte (Kardinal-von-Galen-Platz 11) erbaut.

Für die heutige Glaner Pfarrkirche "St. Jakobus der Ältere", nach Plänen des Architekten Wilhelm Sunder-Plassmann aus Münster in den Jahren 1904 - 1905 von dem Bauunternehmen seines Bruders Franz Plassmann aus Münster erbaut, wurden ebenfalls Sandsteine aus dem "Koken-Sandsteinbruch" genutzt.

Erinnerungsfoto an der Glaner Pfarrkirche, 1904
3. von rechts unten: Bauunternehmer Franz Plassmann
(Archiv: Bernd Oermann, Bad Iburg)

Aus heimischen Bruchsteinmauerwerk wurde auch 1956 /1957 nach Plänen des Architekten Hermann Albers aus Osnabrück-Voxtrup von dem Maurermeister Bernhard Buchholz aus Glane die Grundmauern der Ostenfelder Volksschule (Einzug: 13.06.1957) errichtet.

Am 27. November 1986 stürzte unmittelbar am Südrand des Steinbruches ein Bundeswehrhubschrauber vom Typ BO-105 P des Panzerabwehrregiments 116 in Celle ab - zwei Fluginsassen wurden leicht bzw. schwer verletzt.

 

Viele Jahre waren die Steinbrüche im Dörenberg auch beliebtes Ausflugsziel und Hintergrundmotiv für zahlreiche Gruppen:

Gruppenaufnahme mit Lehrer Johannes Hegger, ca. 1920
(Aufnahme: E. Kleinschmidt, Soest)

So trafen sich am 06. Juli 1930 Iburger Sommergäste zu einer großen Kaffeevisite im Steinbruch am Dörenberg zu Ehren des 1000. Iburger Kurgastes. ""Fressalien" und Tassen sind mitzubringen, Kaffee wird aus der Feldküche umsonst verabfolgt vom Iburger Fremdenblatt. Nach dem Kaffee großes Bewegungsspielturnier, Auftreten von Freilichtfängern unter gütiger Mitwirkung der Zuschauer etc. Rückkehr nach Iburg um 18½ Uhr. Abmarsch: Punkt 15 Uhr vom Sportplatz im Offenen Holz!" (aus: Iburger Fremdenblatt, 1. Jhg., Nr. 5, 02.07.1930).
Der 1000. Sommergast in Iburg im Jahre 1930 war Frl. Tinus Emons aus Dortmund; sie kurte im Gasthaus Eymann, Inh. Ludwig Fischer.


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